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Bevölkerung
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Tunesien hat fast 10 Millionen Einwohner, deren große Mehrzahl (98%) arabischer Herkunft ist. Die Urbevölkerung der Berber ist eine kleine Minderheit und vor allem im Süden des Landes zu finden.

Die tunesische Gesellschaft ist jung: das Durchschnittsalter beträgt 26 Jahre, mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist unter 15 Jahren. Eine in den 1960er Jahren begonnene Familienplanung hat zu einem stetigen Sinken der Geburtenrate geführt, was seit der Unabhängigkeit zu einem langsamen Wandel des tunesischen Familienmodells geführt hat. Frauen gehen heute oft arbeiten. Tunesien hat ein modernes, gut entwickeltes Bildungssystem: der Grundschulbesuch ist Pflicht, und dem Erlernen fremder Sprachen in der Schule kommt große Bedeutung zu. Fast drei Viertel der Bevölkerung können lesen und schreiben.

Frauen in Tunesien:

Dem ehemaligen Präsidenten Habib Bourguiba ist es zu verdanken, dass die Frauen in Tunesien mehr Freiheiten genießen als in den meisten anderen islamischen Ländern. 1956 verbot er Mehrehe und die Scheidung durch Verstoßen und verbannte den Schleier aus den Schulen. Die Frauen haben in Tunesien viel mehr Arbeitsmöglichkeiten als in vielen islamischen Ländern. Für sie ist es heute recht normal, Ärztinnen, Anwältinnen oder Pilotinnen zu werden. Seit 1961 können Apotheken im Zuge der neuen Familienplanung Verhütungsmittel verkaufen. Andere Gesetzesinitiativen sicherten den Frauen das Recht auf Bildung und auf gleiche Bezahlung zu. Auf dem Land dagegen, wo noch traditionelle Normen gelten, kann die Lage anders sein. Doch generell hat sich die Lage der Frauen seit der Unabhängigkeit des Landes erheblich verbessert.

Die Berber:

Berber sind die nicht arabischen Ureinwohner Nordafrikas. Ihre Ursprünge gehen auf ein Völkergemisch zu rück, das sich im Maghreb lange vor der Zeitrechnung aus Numidern, Libyern und Einwanderern aus Schwarzafrika und Europa bildete. Sie lebten vorwiegend als Nomaden am Rand der Wüste. Ihr Name stammt wahrscheinlich von dem griechischen Wort ‘barbaroi’, mit dem jeder benannt wurde, der nicht griechisch sprach. Die Berber bewohnen die Region seit etwa 4000 v. Christus. Während des 4. und 5. Jahrhunderts konvertierten viele Berber zum Christentum. Bis 700 n. Chr. widerstanden sie der arabischen Invasion. Obwohl sie mit den Arabern viel gemeinsam haben (ihre nomadische Lebensform, Individualismus und Stammessolidarität) und sich schnell zum Islam bekehrten, haben sich die Berber ihre ethnische und sprachliche Eigenständigkeit bewahrt.

Berberfrauen sind aufgrund ihrer traditionellen Kleidung oft eindeutig als solche zu erkennen. Ein weiteres berberisches Schmuckelement sind ornamentale Gesichtstätowierungen sowie das Färben von Haaren und Händen mit Henna - beides Traditionen, die ihren Ursprung in der Abwehr böser Geister haben. Frauen sind die Hüterinnen der uralten Berbertradition. Ihre Kleidung weicht erheblich von städtischer Kleidung ab. Ihr typisches Kleidungsstück - der hauli - ist ein drapiertes Stück Stoff, das von einem Gürtel gehalten und mit Spangen (bela) an den Schultern befestigt wird.

Neben der Insel Djerba war das südtunesische Dahargebirge und dessen Vorberge (Matmata, Tataouine, Medenine) Hauptrückzugsgebiet der einst aus den Ebenen vertriebenen Berber. Dort leben auch heute noch die meisten ihrer Nachkommen, und dort findet man die interessanten Reste ihrer alten Dörfer mit eindrucksvollen Speicherbauten und Schutzburgen sowie in den Fels oder Lehmboden gegrabenen Höhlenwohnungen.

Berberfrau Berbertätowierung
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