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Lebensquellen
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10. Vertraue auf die unsichtbaren Lebensquellen

Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht werden kann. (Khalil Gibran)

‘Ein moderner Mensch verirrte sich in die Wüste. Die unbarmherzige Sonne hatte ihn ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Eine Fata Morgana, dachte er, die mich narrt. Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Schon sah er Dattelpalmen. Eine Hungerphantasie, dachte er. Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen - tot. ‘Kannst du das verstehen’? Fragte der eine. ‘Die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund; dicht an der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?’ ‘Er war ein moderner Mensch. Er hat nicht daran geglaubt.

Spiritueller Kalender27

Wer in der Wüste den Mut verliert, kommt nicht weiter und stirbt. Wer glauben kann an die Oase, ist nicht verloren. (Phil Bosmans)

Die Wüste lebt. Das wissen alle, die sich einmal Sand, Hitze, Fels und Einöde ausgesetzt haben. In diesem unendlich weiten Raum von bizarrer Schönheit keimt Leben - entgegen allem äußeren Anschein. Wüste gibt es auch in unserem Leben: spirituelle Dürre, ungeordnete Strukturen, enttäuschte Hoffnungen. Der Naturraum Wüste und die innere Wüste haben vieles gemein. Dort, wo das Leben zu Ende scheint, kann es neu beginnen - mit einer neuen Dimension. Wüste muss nicht Ort der Verzweiflung sein, Wüste ist vielmehr Chance: Antrieb zum Weiterleben, Drang, den Weg fortzusetzen, Sehnsucht, das Ziel zu erreichen. Auch die Wüste in uns kann leben; es müssen nur die Leben spendenden Wasserschichten erreicht werden. Nirgends wird der Blick für den grünen Zweig am Wegesrand so geschärft wie in der Wüste. Die Wüste lehrt uns das Leben neu. Wüstenerfahrungen sind für uns alle notwendig um tiefer zum Kern des Lebens vor zu stoßen. Stellen wir uns der Wüste. Trauen wir uns, wahrzunehmen, was sich unter der Oberfläche des Alltags verbirgt. Klären wir, was wichtig ist, und suchen wir aus der Klarheit des Herzens nach Schritten zu erfülltem Leben.

‘Nun ist die Sahara in uns und zeigt sich so. Ihr nahekommen, das bedeutet nicht, eine Oase besuchen. Es bedeutet, an einen Brunnen tief und inbrünstig zu glauben.’

Spiritueller Kalender28

‘Die Wüste ist schön’, sagte der kleine Prinz. Stille. Und das war wahr. Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille. ‘Es macht die Wüste schön’, sagte der kleine Prinz, ‘dass sie irgendwo einen Brunnen birgt.’ Ich war überrascht, dieses geheimnisvolle Strahlen des Sandes plötzlich zu verstehen. Als ich ein kleiner Knabe war, wohnte ich in einem alten Haus, und die Sage erzählte, dass darin ein Schatz versteckt sei. Gewiss, es hat ihn nie jemand zu entdecken vermocht, vielleicht hat auch nie jemand gesucht. Aber er verzauberte dieses ganze Haus. Mein Haus barg ein Geheimnis auf dem Grunde seines Herzens .. ‘Ja,’ sagte ich zum kleinen Prinzen, ‘ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schätze ausmacht, ist unsichtbar. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.’ (Antoine de Saint-Exupéry)

‘Wir mögen die Welt durchreisen, um das Schöne zu finden, aber wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht.’ (Ralph Waldo Emerson)

Der Meister sagt: ‘Viele Menschen haben Angst vorm Glücklichsein. Denn um glücklich zu sein, müssten wir viel an uns und unseren Gewohnheiten aufgeben oder ändern. Häufig sträuben wir uns gegen die guten Dinge, die uns widerfahren, halten uns ihrer für unwürdig. Wir nehmen sie nicht an, weil wir fürchten, damit in Gottes Schuld zu stehen. Wir denken: ‘Es ist besser, nicht vom Kelch der Freude zu trinken, weil wir leiden werden, wenn wir ihn einmal nicht mehr haben.’ Aus Angst, an Größe zu verlieren, wachsen wir nicht. Aus Angst davor zu weinen, hören wir auf zu lachen. (Paulo Coelho)