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Sicherheit
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Tunesien hat eine wesentlich niedrigere Kriminalitätsrate als mittel- oder südeuropäische Länder. Allerdings häufen sich in letzter Zeit Berichte über Taschendiebstähle, vor allem in Städten und touristischen Regionen, wohl nicht zuletzt als Folge des krassen Missverhältnisses zwischen dem niedrigen Lebensstandard vieler Tunesier und dem offensichtlichen Wohlstand der meisten Touristen.

Gewaltdelikte, Autoaufbrüche oder gar Überfälle sind jedoch ausgesprochen selten. Dennoch kann es nicht schaden, einige Vorsichtsmaßregeln zu beachten:

Als Hotelgast sollte man (wie überall auf der Welt) Reisepass, Flugtickets, Schmuck und größere Geldbeträge nicht im Zimmer aufbewahren, sondern im Hotelsafe oder Schließfach der Rezeption deponieren. Bargeldvorräte, Kreditkarten u.ä. sollte eher versteckt am Körper getragen werden und nur kleinere Beträge in einer griffbereiten Geldbörse. Tragen Sie Ihren Reichtum in Form von Geld und Schmuck nie öffentlich zur Schau.

Aktuelle Sicherheitshinweise findet man unter dem Link des auswärtigen Amtes:

www.auswaertiges-amt.de

‘Donnez-moi vortre adresse ou votre numero de mobil!’ (Exkurs aus dem Reise-know-how, S. 150)

Auch nach nur flüchtiger Bekanntschaft vor allem mit jungen tunesischen Männern muss mit dieser Bitte gerechnet werden. Adressen auszutauschen - in beide Richtungen - ist eine ganz wichtige Sache, ein Freundschaftsbeweis. Und Freunde bekommt man schnell, an Kontaktarmut leidet die tunesische Jugend nicht. Stolz wird einem oft die bereits vorhandene Sammlung fremder Adressen gezeigt. Häufig genug schimmert dabei die Hoffnung durch, (wenn sie nicht klar ausgesprochen wird), eine Einladung nach Deutschland zu bekommen. Die Zukunftschancen der tunesischen Jugend sind alles andere als rosig. Überpopulation, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Inflationsrate und niedrige Verdienste - wen wundert’s, wenn die Jugend ins Ausland schielt und jede Möglichkeit beim Schopfe packt. Ein Deutscher oder eine Deutsche, die sich eine Reise nach Tunesien leisten können, müssen in den Augen dieser jungen Leute enorm reich sein. Häufig resultieren auch weit überzogene, in unseren Augen oft geradezu unverschämte Forderungen nach Trinkgeld oder Geschenken für relativ kleine Dienstleistungen (oder für gar nichts) aus dieser Ansicht. Es ist schwer, den vielen Ahmets, Mohameds, Alis ... klar zu machen, dass auch ‘reiche’ Besucher keine überhöhten Preise zahlen wollen und auch keinen Anlass sehen, einen nur flüchtigen Bekannten zu sich nach Hause einzuladen. Tunesier haben heutzutage so gut wie keine Chance, in Deutschland eine Arbeitsbewilligung zu bekommen und wären deshalb - ohne Geld und meist noch ohne deutsche Sprachkenntnisse - voll von ihren Gastgebern abhängig.

Das Überlassen der Adresse kann eine bloße Formsache sein, es kann Bittbriefe und Bitt-SMS auslösen (u.U. von ganz anderen Personen, denn Adressen und Handynummern werden gerne auch intern ausgetauscht). Es kann andererseits aber auch den Grundstein legen zu einem anhaltenden, freundschaftlichen und fruchtbaren Kontakt mit einem Bewohner des Gastlandes.

In den letzten Jahren hat sich auch in Tunesien ein neuer Geschäftszweig entwickelt, der sich BEZNESS nennt. Diese Bezeichnung steht in vielen Urlaubsländern für das Geschäft mit den Gefühlen. Frauen aller Altersklassen und aus allen sozialen Schichten verlieren nicht nur ihr Herz, sondern auch ihr gesamtes Hab und Gut, weil sie den Liebesschwüren und schauspielerischen Höchstleistungen ihrer Urlaubslieben verfallen.

Dies im Einzelfall abzuschätzen, muss jedem Reisenden selbst überlassen werden.