Wenn Schweigen das Herz öffnet und Gedanken klar werden
‚Die Wahrheit der Wüste offenbart sich in ihrer Stille.‘ (Nomadisches Sprichwort)

‚Wenn es nur einmal ganz stille wäre, wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen. Wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen. Dann …. könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an den Rand denken.‘ (Rainer Maria Rilke)
Ein junger Mann kam aus der Stadt in die Wüste, weil der Lärm der Menschen ihm keine Antworten mehr gab. Er suchte einen Ort, an dem er hören konnte, was in ihm selbst sprach. Nach langer Wanderung fand er einen alten Mann, der schweigend auf einem Felsen saß. „Lehre mich die Wahrheit“, bat der Jüngling.
Der Alte deutete auf eine Senke zwischen den Dünen. „Hör“, sagte er. Der Jüngling lauschte – und hörte nichts. Dann vernahm er den feinen Zug des Windes über den Sand, das Rascheln einer Eidechse, den Schlag seines eigenen Herzens. Langsam begriff er: Die Stille war nicht leer. Sie war voller Leben, das sich nur zeigte, wenn man innehielt.

„Warum spricht die Stille nicht mit Worten?“, fragte er. Der Alte lächelte. „Weil sie nicht wie Menschen spricht. Sie antwortet nicht, sie verwandelt. Wer in die Stille tritt, hört nicht Neues – er hört sich selbst neu.“
In der Nacht blieb der Jüngling wach. Unter dem Sternenzelt verging die Zeit, und er spürte, wie seine Fragen sich weiteten, bis sie nicht mehr drängten. Ein einzelner Tropfen fiel in eine unsichtbare Mulde – so leise, dass nur einer, der wirklich still war, ihn hören konnte. Da wusste er: Geduld gebiert Erkenntnis. Und die Antwort ist oft kleiner als das Wort, das sie sucht.
‚Die Stille ist kein Nichts. Sie ist die Quelle, aus der alles spricht.‘
Am Morgen sprach der Alte: „Trage die Stille wie ein Gewand. Wenn du redest, lass sie unter deinen Worten bleiben.“
Der Jüngling kehrte in die Stadt zurück. Er sprach weniger, hörte mehr – und fand zwischen den Stimmen den Klang der Wüste wieder.
‚In der Wüste ist die Stille nicht leer, sie ist voll von Leben.‘ (Unbekannt)

‚Ich habe die Wüste immer geliebt. Man sitzt auf einer Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Doch etwas leuchtet in der Stille.‘ (Antoine de Saint-Exupéry)