Jeder Schritt ein neuer Anfang

Die Sonne stand hoch, der Horizont flimmerte. Die Karawane zog schweigend dahin – Schritt um Schritt, gleichmäßig, fast wie im Takt eines leisen Atems. Der Sand knirschte unter den Sohlen, und die Dromedare bewegten sich in ihrem ruhigen Rhythmus.
Ein Reisender ging zu Fuß nebenher. Anfangs versuchte er mitzuhalten, Schritt für Schritt, doch bald merkte er, dass sein Atem hastig wurde, seine Schritte unruhig. Die Tiere blieben unbeirrt, gleichmäßig, sicher. Die Beduinen achteten kaum auf den Weg – sie kannten den Rhythmus der Wüste, sie gingen, ohne sich zu verlieren.

„Der Rhythmus des Lebens ist der Herzschlag der Erde.“ (Unbekannt)
Der Reisende aber stolperte über Steine, sank in den Sand, spürte die Hitze und die Last seiner Schuhe. Er wollte schneller gehen, wollte mithalten – und erschöpfte sich daran.
Ein alter Kamelführer lächelte und sagte: „Die Wüste zwingt dich, deinen eigenen Schritt zu finden. Geh nicht nach dem Tempo der anderen. Finde deinen Atem, und du wirst ankommen.“


‚An meinem Puls will ich festhalten gegen andere Rhythmen.‘
Der Mann nickte und ließ sich Zeit. Er passte seine Schritte dem Sand an, achtete auf seinen Atem, auf das Gleichmaß von Gehen und Ruhen. Und irgendwann, als die Müdigkeit stärker wurde, stieg er auf ein Dromedar. Es hob sich mit einem Ruck, und er spürte, wie er getragen wurde – sanft, schaukelnd, stetig. Von oben sah er den Weg, der hinter ihnen lag, und den, der noch vor ihnen lag.
‚Gehen – innehalten – gehen. Das ist die ideale Seinsweise.‘ (P. Handke)

Er dachte: Im Leben ist es wie in der Wüste. Manchmal muss man gehen, Schritt für Schritt, in seinem eigenen Rhythmus. Und manchmal darf man sich tragen lassen – von Menschen, von Vertrauen, vom Leben selbst.
‚Wer seinen eigenen Rhythmus findet, verliert sich nicht – auch nicht in der Weite der Wüste. Und wer sich tragen lässt, wenn die Kräfte schwinden, wird sicher ans Ziel gelangen.‘










































